Zeremoniemüde — keiner will mehr in die Retro cover art

Zeremoniemüde — keiner will mehr in die Retro

Zeremoniemüde — keiner will mehr in die Retro

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„Teams werden zeremoniemüde." „Unsere Retros sind nichtssagend." Zwei O-Töne aus meiner Umfrage. Und dann kommt der Reflex, auf den ich früher selbst reingefallen bin: Dann brauchen wir halt ein neues Retro-Format!

Nein. Braucht Ihr nicht.

Vor Jahren habe ich in Polen einen Vortrag voller kreativer Retro-Ideen gehalten. Danach kam Bob Marshall auf mich zu und sagte: „You're doing the wrong thing righter." Der Satz hat gesessen — und er ist der Kern dieser Folge.

Worum es geht:

  • Warum ein neues Format nur Kosmetik ist: Du kannst dieselbe folgenlose Sitzung in zehn Formaten abhalten. Sie bleibt folgenlos.
  • Meine Arzt-Analogie: Wenn er Dir jedes Mal nur die Symptome beschreibt, aber nie behandelt — irgendwann wechselst Du den Arzt.
  • Was Teams wirklich müde macht: Es passiert nichts. Es darf nichts passieren. Es ist nicht sicher, ehrlich zu sein. Oder es ist schlicht die falsche Zeremonie — manchmal braucht es keine Retro, sondern eine Entscheidung von oben.
  • Die konsequenzlose Organisation: Warum nicht nur Retros, sondern auch Planning, Review und Daily für den Eimer sind, wenn nichts folgt.
  • Und ja, ich habe ein ganzes Buch über Retros geschrieben — und sage Dir trotzdem: Manche Retro gehört abgeschafft, nicht verbessert.

Was tatsächlich wirkt:

  • Eine Retro endet nie ohne mindestens eine Veränderung — mit Hypothese, Verantwortlichem, Datum und sichtbar am Board. Lieber eine, die passiert, als fünf, die keiner verfolgt.
  • Harte Timeboxen gegen endloses Gelaber (z. B. 20 Minuten für die Insights-Phase) — nur so bleibt Zeit für echte Maßnahmen.
  • Die Frage tauschen: nicht „was lief gut?", sondern „was ändern wir konkret, bis wann?"
  • Jede Retro startet mit dem Check der letzten Maßnahme. Nicht umgesetzt? Dann ist genau das Dein Thema. Retros hängen zusammen — startet nicht jedes Mal auf der grünen Wiese.
  • Themen jenseits der Teamgrenze eskalieren — Stichwort Circle of Influence.
  • Retro-Pause ist erlaubt: Nutz die Zeit für Teambuilding, statt Theater zu spielen.

Für Führungskräfte: Deine Rolle ist nicht mitreden, sondern liefern. Retros sind Bestellungen bei Dir. Eine Veränderung, sichtbar durchgezogen, ist Gold wert — dann verschwindet die Müdigkeit von selbst. Und wenn nach fünf Retros nichts umgesetzt wurde: Dann ist nicht das Team müde. Dann bist Du das Problem.

Mein Fazit: Agilität löst keine Probleme. Sie macht sie sichtbar. Lösen musst Du sie selbst.

Erwähnt in der Folge:

  • „Retrospektiven in der Praxis", 2. Auflage — alle Formate, viel Handwerk, plus der Umgang mit schwierigen Retros. Überall, wo es Bücher gibt.
  • Probleme mit Deinem Chef bei der Umsetzung? Melde Dich, wir schauen gemeinsam drauf: marcloeffler.eu
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